Nach dem Sieg von Obama und seinem Erfolg im Netz sieht man sich auch bei deutschen Parteien gezwungen, einen Online-Wahlkampf zu führen. Es fällt sicherlich nicht allen Politikern leicht, mit den neuen Herausforderungen im Netz kompetent umzugehen. Dabei ist die Auseinandersetzung mit dem Thema Internet durchaus wünschenswert.
Ich stelle es mir persönlich recht schwer vor, in einem Medium Wahlkampf zu führen, welches man vorher eher als subversiven Ort betrachtet hat, in dem Killerspiele und Kinderpornographie das Tagesgeschäft bestimmen.
Aus dieser Vorüberlegung heraus, dass Menschen im Internet alle möglichen bösen Dinge tun, wäre ich bei meinem Wahlkampfauftritt entsprechend vorsichtig.
Das bedeutet konkret, dass ich mich kompetent beraten lasse. Von Leuten, die wirklich wissen, wie das Internet funktioniert.
Ich habe Markus Beckedahl dafür kritisiert, dass er zur spaßhaften Beschäftigung mit dem Wahlkampf bei der republica09 aufgerufen hat. Gleichzeitig will ich ihm aber für die Anregung danken, die Webseiten einer genaueren Betrachtung zu unterziehen. Lesenswert hat sich auch bereits Thomas Knüwer mit den Webauftritten der Spitzenkandidaten beschäftigt.
Widmen wir uns dem Onlinewahlkampf der SPD.
Befindet man sich auf spd.de, führt ein Button im linken unteren Bereich der Webseite direkt auf wahlkampf09.de.

Man hat beschlossen, sich in diesem Wahlkampf volksnah zu geben.
So gibt es beispielsweise die Möglichkeit, Frank (formely known Walter) Steinmeier zu „gruscheln“. Warum ich dies tun sollte, entzieht sich meiner Erkenntnis.

Interessanter ist jedoch, dass man sich auf Wahlkampf09 in eine Unterstützerliste eintragen kann. Wer sich einträgt, erhält eine Mail und wenn er diese verifiziert ist er schon als Unterstützer mit seinem Namen auf der Webseite.

Da das Ganze so einfach geht, habe ich mir erlaubt, ein paar verurteilte NS-Kriegsverbrecher und einen Held meiner Kindheit aus einer fernen Galaxie unter die SPD-Unterstützer zu mischen.
Um es nicht zu unfair zu machen, habe ich die falschen Freunde gestern Abend auf die Webseite gezaubert und bin, statt gleich darüber zu berichten, schlafen gegangen. Bis 10 Uhr heute werde ich warten, bevor ich den Artikel veröffentliche. Dieser Zeitrahmen ist in Twitter-Zeiten eine kleine Ewigkeit.
Warum bin ich mir nur so sicher, dass die Namen noch da sein werden?
UPDATE: Nach meiner Mittagspause waren die betreffenden Namen verschwunden. Immerhin: Man hat auch weniger prominente Kriegsverbrecher wie Ernst Kaltenbrunner erkannt.
Diese haben natürlich im übrigen Alle per Mail-Post auch eine hübsche Unterstützer-Urkunde mit der Unterschrift von Frank Steinmeier in Pdf-Form erhalten.
Was Prinz Rupi via Twitter als Foto zeigte, war kein schlechter Photoshop-Gag sondern eine simples Foto der Unterstützerurkunde.